Du bist was du isst oder: Die Abkehr davon, sich totzukonsumieren

Wir haben uns in dem halben Jahr, in dem wir den Garten hegen und pflegen verändert!

Die Aussaat der kleinsten Samen, die einen nachher mit riesigen Salatköpfen belohnt – das Anzüchten von Pflanzkartoffeln, von denen man nachher etliche Kartoffelknollen aus der warmen Erde buddeln kann – oder einfach das Zusehen dabei, wie das Saatgut anfängt zu wachsen, Blüten zu tragen, Früchte zu bilden, von denen wir uns ernähren dürfen!

Dieser Prozess ist so faszinierend, so lehrreich und so wichtig eigentlich für unser tägliches Leben!

Ich habe mich verändert in meiner Denkweise!

Selbst jetzt, nachdem gerade mal die Hälfte eines Jahres vergangen ist, nachdem wir gerade einmal eine 2m Reihe Kartoffeln und 90g Himbeeren geerntet haben – selbst jetzt bekomme ich bereits ein neues Verhältnis zu dem, was mich ernährt! Dem, was mich satt macht und letztendlich am Leben hält! Den Kartoffeln und Erbsen, Tomaten, Zucchini, den Himbeeren, Erdbeeren und den Salaten!

Für jede einzelne Pflanze lerne ich jetzt, dankbar zu sein!

Des Weiteren fangen wir an, zum ersten Mal seit Kindheitstagen, die Welt wieder so wahrzunehmen, wie sie ist – der Beginn der Apfelblüte, ist ein einschneidendes Erlebnis… jeder Regen wird sehnlichst erwartet, weil wir endlich verstehen lernen, wozu dieser Kreislauf da ist! Unsere Pflanzen dursten diesen Sommer, weil es unfassbar trocken ist!

Statt wie in den letzten Jahren ohne Garten, in denen jeder Tag gleich wirkt, in denen es letztendlich egal ist, was blüht und wächst und ob es regnet oder nicht – stattdessen bekommen wir einen Blick für den Kreislauf des Jahres und letztendlich des Lebens – der das Leben um einiges lebenswerter und jeden Tag zu einem einzigartigen macht!!!

Seit wir selber ernten, kann ich nicht mehr ohne kritischen Blick in die Supermarktregale schauen – ich kann einfach nicht! Die Tomaten die im Netto liegen – wo kommen die alle her? Wie können die alle pünktlich zu ihrem besten Zeitpunkt dort liegen, so viele!!! So viel, dass sich jeder von uns mehr davon kaufen kann, als er braucht? Wie können wir Menschen es eigentlich ständig übers Herz bringen, Salatköpfe zu essen, über die wir gar nichts wissen? Unser früher Maikönig aus dem Garten, oder die Lollo Rossos und Biondas, die jetzt in unseren Beeten wachsen – die kann ich mit Freuden ernten, zubereiten und verspeisen, weil ich sie kenne, seit sie ein Samenkorn sind, ich kenne jede einzelne Stufe, die sie durchlebt haben!

Seitdem ich das einmal erlebt habe, kann ich mit dem fertigen, optisch super schickem Zeug aus dem Supermarkt überhaupt nichts mehr anfangen! Ich kann das einfach nicht mehr kaufen – es geht irgendwie nicht…

In mir steckt so viel Dankbarkeit und Bewunderung für die Leistungen der Natur – und seit wir den Garten haben, fühle ich fast zum ersten Mal einen sinnvollen Einklang mit ihr. Eine Harmonie, in der ich den Pflanzen gebe, was sie brauchen, um zu wachsen – und sie mich nachher belohnen mit Früchten, die mich ernähren und bei Kräften halten – Kräfte, die ich brauche, damit ich im kommenden zweiten Jahr die nächsten Pflanzen großziehen und pflegen kann!

Diese Art von Nahrung haben wir uns irgendwie verdient. Der gedankenlose und übermäßige Konsum vieler Menschen erschreckt uns immer mehr, seitdem wir wissen, wie Pflanzen wachsen und was für ein Wunder es ist, dass sie Früchte produzieren, die Menschen ernähren können! Und eigentlich ein Skandal ist es, dass solche Pflanzen in Monokulturen gezüchtet werden, gespritzt und verseucht werden, nicht in Einklang mit der Natur gehalten werden, nur damit diese übertriebene Gier gestillt und der Verdienst der Bauern überhaupt sichergestellt werden kann…

Irgendwo herrscht da ein Problem…

Und wenn ich ich den Supermarkt gehe, fühle ich mich jedes Mal in der Gemüseecke daran erinnert! Wenn ich die wohlgeformten Tomaten sehe, denke ich an meine krummen Rentitas, und daran, wie ich sie von klein auf versorgt und großgezogen habe – und dann verzichte ich freiwillig auf die Bilderbuchware… weil ich keine 2 kg Tomaten aus einer Blackbox will und brauche, sondern nur eine sonnengewärmte frische Tomate von meinem eigenen Strauch!

Wenn ich die ernten kann, macht mich das so viel glücklicher!

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3 Gedanken zu “Du bist was du isst oder: Die Abkehr davon, sich totzukonsumieren

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