Was wir haben…

So richtig habe ich keine Idee, was ich dazu sagen will… zu dem, „was wir haben“. In letzter Zeit frage ich mich immer öfter, was das, „was wir haben“, überhaupt ist. 

Es mag am Garten liegen, an der Bescheidenheit, die ich angesichts der Zusammenarbeit mit Umwelt und Natur gelernt habe oder an der Dankbarkeit, mit der ich mittlerweile jedem Regenwurm begegne. Irgendetwas hat sich verändert in diesem Jahr. Das war aber auch der Plan – ich glaube, wir wollten etwas anstoßen!

Noch vor einem Jahr habe ich gerne neue Klamotten gehabt. Geshoppt habe ich nie gerne, aber neue Kleidung war immer nett. Vielleicht liegt es auch an meiner finanziellen Situation (da ist man als Student ja nicht immer on top), aber irgendwann habe ich das alles versucht, umzudrehen. Immer, wenn ich das Bedürfnis hatte, etwas Neues zu kaufen, habe ich stattdessen meinen Kleiderschrank durchwühlt nach etwas, dass ich weggeben kann. Nicht in den Altkleidersack, das Konzept gefällt mir nicht, und ob es afrikanischen Kindern wirklich mehr nützt, meine alten Klamotten aufzutragen als es der dortigen Wirtschaft schadet, ist eine andere Frage. Teils habe ich uralte Sachen weggeschmissen oder zu Putzlappen verarbeitet. Teils an Kleiderkammern in Großstädten verteilt. Jetzt, mitten in der „Flüchtlingskrise“, die ich kaum so nennen mag, weil sie nur das Symptom einer viel tiefer gehenden Krise zu sein scheint, gebe ich viel an Flüchtlingsheime oder an irgendwelche Übermittler, die hoffentlich zuverlässig sind!

Das Gefühl dabei, die eigenen Klamotten auszusortieren ist dem Gefühl, Neues zu kaufen, sehr ähnlich. Man stöbert durch Dinge, die man so lange hat, dass sie einem neu erscheinen. Letztendlich hat das Ganze noch einen viel schöneren Effekt, denn ich fühle mich befreit von Dingen, die ich nicht mehr brauche und habe darüberhinaus das Gefühl, Mitmenschen geholfen zu haben. Ob ich ihnen wirklich helfe, indem ich ihnen Dinge gebe, von denen ich mich zu befreien versuche, weiß ich nicht. Aber ich probiere es!

So viel von dem, was sich in unserer Wohnung anhäuft, kommt mir mittlerweile fast lächerlich vor! So vieles würde ich viel lieber teilen, jetzt, da ich einmal kennengelernt habe, wie wunderbar das Gefühl beim Teilen ist! 

Noch vor einem Jahr dachte ich, alles, was mir gefällt, möchte ich besitzen! Ob es ein Schmuckstück war, ein Buch oder ein Kleidungsstück. Heute bin ich froh über jeden Gegenstand aus meinem „Besitz“, der andere Menschen glücklich macht. Sämtliche Bücher gebe ich in Bücherregale, weil ich gelernt habe, wie viel Freude es macht, wenn man weiß, dass die Geschichte noch andere erfreuen kann! Bücher sind das beste Beispiel dafür, wie vollkommen irrsinnig diese Welt zu Besitz eingestellt ist. Geschichten zu drucken und als Besitz zu deklarieren, den man im eigenen Regal aufbewahren kann hat irgendwie etwas Verrücktes. Ich bin froh über jede Geschichte, die ich an andere weitergeben kann. Ich kenne sie dann doch schon… 

Mittlerweile handele ich in fast allen Bereichen so! Ich will nicht mehr haben als das, was ich zum Leben wirklich brauche! Ich bilde mir ein, dass ich der Welt damit etwas Gutes tun würde – ob das so ist, weiß ich nicht. Aber wenn ich all die Leute in der Weihnachtszeit mit tausend Tüten von sonst welchen Läden durch die Städte rennen sehe, frage ich mich schon, ob sie sich fragen, wo und wer und wie das alles produziert wurde bzw. hat. Bei den meisten Menschen komme ich leider zu dem Schluss, dass sie überhaupt nicht zu denken scheinen! Das Ganze Gerümpel können sie meinetwegen gerne in ihr Leben schaffen – ich will aber nichts mehr davon haben und ich würde mich so gerne von diesen Menschen distanzieren! Leider bin ich aber mittendrin! 

Wenn mich jemand fragt, was ich mir zu Weihnachten wünsche, habe ich da trotzdem Ideen! Natürlich habe ich Wünsche. So etwas wie eine gute Flasche Olivenöl oder qualitativ gutes Meersalz. Gerne auch auf irgendeine Art und Weise fair produzierte Wolle (weil ich angefangen habe, zu stricken, yayy 🙂 ). Es gibt noch viel, was man braucht. 

Aber leider gibt es noch viel mehr, was man gar nicht braucht – und trotzdem hat…

 

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Irgendwie schon fast alles, was man braucht 🙂
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7 Gedanken zu “Was wir haben…

  1. Heute auf einer Autofahrt hörte ich im Radio, wie die Moderatoren sich mal wieder über Menschen lustig machten, die nützliche Geschenke machen. Mir wurde mal wieder ganz anders, wie verdreht ist die Welt eigentlich, wenn es sozial akzeptiert ist, sinnlosen, stinkenden oder glitzernden Kokolores zu kaufen anstatt etwas, was be-nöt-igt wird?
    Und wenn es schon Parfum, Schmuck oder sonst was sein muss, warum nicht einfach die anderen auch machen lassen, die den Konsumwahn nicht in der Form mitleben wollen?
    Seltsam.

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  2. Ich glaube, dass dieses Bemerken, dass der aktuelle Lebensstil nicht glücklich macht und in letzter Konsequenz etwas (mehr oder weniger) radikal zu ändern oftmals von sozialer Kontrolle unterbunden wird.
    Wir sind mit unserem Gemüseanbau, der Tierhaltung, den second Hand-Klamotten, dem Tauschen etc. zum Beispiel bei vielen Außenseiter. Uns stört es nicht, aber das Selbstbewusstsein hat nicht jeder, hatte ich früher so sicherlich auch nicht. Ich habe Menschen kennengelernt, die so komplett anders ticken als wir und schon abschätzend gucken und handeln. Ist man noch nicht 100% auf seinem eigenen (diesem, unserem) Weg oder hat man keinen Rückhalt und Bestätigung vom Partner oder der Wahlfamilie oder sonstwas, ist das für einige sicher beänstigend. Der Mensch verliert nicht gerne seine Position in der Gesellschaft. Ist aber letztlich egal. Und das lässt sich mit ein wenig Reflexion schnell erkennen, wenn man diese Menschen verliert und sein eigenes Ding macht, gewinnt man sich selbst und findet eh passendere Leute.

    So, sollte ich recht haben und das bei einigen ein Teil des Problems sein; wie kann man den Menschen Mut machen ihren Weg zu gehen?

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    1. Da hast du wahrscheinlich recht! Ich hatte auch schon immer ein leichtes Außenseitergefühl, einfach weil ich nicht dem neuesten Schrei hinterhergejagt bin und dementsprechend auch an vielen Gesprächen nie teilhaben konnte…. Für Micha und mich ist es ein großes Glück, dass wir einander haben und uns gegenseitig unterstützen und hochschaukeln 😀 So etwas kann ich jedem nur wünschen, der irgendwie will, aber noch nicht so richtig kann… Die Meinung von so vielen anderen Menschen kann einem dann eigentlich so egal sein… aber leider legen viele Leute noch mehr Wert darauf, von anderen für glücklich gehalten zu werden, als glücklich zu sein 😦 Eine Lösung weiß ich da auch nicht – vielleicht ist es da schon gut, wenn einfach ein paar Menschen als Beispiel und Motivation dienen können 🙂 Das versuch ich, und das ist euer Blog auf jeden Fall auch für mich! Danke dafür 😉

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      1. Zu dem Schluss bin ich gestern auch noch gekommen. Beispiel und Motivation sind wir bestimmt für einige, ihr wie wir.
        Auf dass wir alle viel Freude an unserem Tun haben und andere daran teilhaben lassen können. Und vielen Dank für Dein Kompliment!
        Oli

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