Die Natur schlägt zurück

Um übertrieben romantische Vorstellung von Gärtnern und Selbstversorgung direkt im Keim zu ersticken, fange ich direkt im März an, auch über Rückschläge zu berichten! 🙂 Es ist definitiv nicht alles märchenhaft, was in der Natur so abläuft! Uns ist es wichtig, umfassend über alle Erfahrungen zu berichten. Deshalb gibt es auch öfter mal Texte über ganz realistische Rückschläge im Garten! 🙂


 

In Erinnerung bleiben vom Gartenjahr scheinbar nur die schönen Dinge, die erfolgreich gelaufenen Pflanzen und die sonnigen Stunden! Die Stunden, in denen ich genervt war oder fast das Handtuch schmeißen wollte, sind wie weggeblasen von der Fülle an Kohlrabi und Erbsen im Tiefkühlfach, die Misserfolge wie Gurken, Zwiebeln oder Himbeeren konnten durch den Überfluss an Zucchini und Tomaten ausgeglichen und in der Erinnerung ausgetauscht werden…

Aber jetzt geht es wieder los… und da ist es schon: Das erste déjà-vu!

Ich erinnere mich gut daran, dass ich im vorigen Sommer einen Beitrag geschrieben habe über die Sache vom Einklang mit der Natur, die man als Öko-Gärtner ja so sehr anstrebt und die von vielen als das höchste aller Garten- und Selbstversorgergefühle angesehen wird! Das hört sich alles so wunderbar an…

Aber wenn man tatsächlich anstrebt, sich aus dem eigenen Garten selbst zu versorgen, dann fällt einem ganz schnell auf, dass das Idyll eines „gewaltfreien“ Gartens, in dem ich wie Aschenputtel mit den Tauben zusammenarbeite und die Mäuse mir beim Aufräumen der Beete helfen, keinerlei realen Hintergrund hat. 

Regelmäßig finde ich von der Gartenkatze zerfetzte kleine Spitz- oder Wühlmäuse auf unseren Beeten, die Micha dann entsorgen darf. Nur die Spitzmausfamilie im Kompost ist vor ihr sicher! Auch diverse tote Vögel (eine Taube, eine Amsel) durften wir schon zerfetzt von der Rasenfläche bzw. zwischen den Tomaten aufsammeln… Wo ist da die gewaltfreie Selbstversorgerfantasie? Ich finde es traurig, diese toten Tiere aufzusammeln… doch andererseits bin ich froh, dass die Mäusepopulation in Schach gehalten wird – und das dafür die Katze da ist. Wer sich selbst versorgen will, muss in Sachen Gewaltfreiheit irgendwie Abstriche machen. Alle Mäuse können nicht bleiben, denn ansonsten geht es mit der Selbstversorgung ziemlich schnell den Bach runter und wir schaffen es letztendlich doch nicht, uns aus dem eigenen Garten zu ernähren. Die Vögel werden auch gebraucht, um die Schneckenanzahl zu dezimieren. Die Vögelanzahl wird wiederum von der Katze dezimiert, und die Katzen teilen sich ihre Reviere gut auf oder werden von Menschen in Autos dezimiert. Was hoffentlich für unsere Gartenkatze nicht gilt! 

Mit den Tauben arbeite ich auch nicht zusammen. Sie fressen mir die Johannisbeeren und die jungen Kohlpflanze weg, sodass ich nicht satt werden kann – oder ich kaufe wieder bei Netto… Da fange ich dann an, abzuwägen, ob mir ein freundlicher Umgang mit Tauben oder die Idee des Boykotts von großen Supermärkten wichtiger ist! Und ich träume von Aschenputtel und ihren Taubenfreunden und wünsche mir, dass es bei uns ähnlich liefe!

Nunja, was mich zu dieser (leicht ernüchternden) Tirade angeregt hat, war ein relativ kleiner Schicksalsschlag im Garten:

Nachdem ich am 2. März in vollkommener Harmonie mit mir selbst und allem den ersten Startschuss im Garten gewagt hatte und bei Sonnenschein und Vogelgezwitscher den Spinat Matador gesät hatte, erwartete mich nur wenige Tage später dieses Bild:

Am 8. März muss ich also, bei wolkenverhangenem Himmel und Regen, berichten, dass Matador vollkommen aufgeknabbert wurde! Ich hoffe, man kann es auf den Fotos erkennen. Ob Maus oder Vogel weiß ich nicht. Aber es ist alles weg (bzw: leer!). Das war es dann mit dem Einklang mit der Natur, die Realität holt einen schnell ein! Aber das ist auch gut so, niemand soll mit irgendwelchen romantischen Vorstellungen in den Garten gehen und sich dann wundern, dass nichts so funktioniert wie es im Märchenfilm abläuft! Die Welt ist nunmal kein Märchen (leider) 😦

Und so setzt (zum Glück schon früh) wieder der nötige Pragmatismus in unsere Köpfen ein. Wir haben direkt noch eine Ladung Spinat ausgesät und diese mit Vlies abgedeckt und mit Steinen beschwert! Das sollte hoffentlich für die ersten Wochen helfen, sodass wir dann auch noch etwas von unserer Gemüseaussaat abbekommen, und nicht doch wieder vor dem Supermarktregal landen!

Spinatbeet 2016
Spinat auf Tomatenbeet III, 6. März 2016

Für die Vögel werden wir in diesem Jahr Wassertränken bereitstellen, vielleicht lassen sie dann ein paar Johannisbeeren übrig. Für die Kohlpflanzen fällt mir nichts besseres ein als Netze und auch bei den Wühlmausen müssen wir wohl einfach hoffen, dass die Katze den Winter überlebt hat. Oder, dass sie, wie im Märchen, anfangen, mit uns Hand in Hand zu arbeiten und wir uns dann in voller Harmonie am Ende des Jahres die gute Ernte teilen 🙂

 

 

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13 Gedanken zu “Die Natur schlägt zurück

  1. Hallo ihr Zwei,

    ja,ja die lieben Tiere. Aber hey, du sagst es, die Welt ist kein Märchen; unsere Welt ist ein fressen und gefressen werden. Menschen wurden früher auch gefressen, z.B. von Säbelzahntigern, die der Mensch, dann irgendwann ausrottete hat oder der natürliche Lebensraum schwand…wer weiß das schon 100%ig….

    Ihr macht das super. Gebt, bitte,nicht auf!! Mit euch kann man sich so toll austauschen!!

    Eine Katze im Garten sorgt für das natürliche Gleichgewicht…es ist nun mal kein Paradies…nichts auf der Erde…aber wir können es uns schön machen, wir haben die Möglichkeit, in der westlichen Welt.

    Zum Saatschutz: Ich verwende, altes Schnittgut, z.B. von Lavendel, um meine Spinat und Erbsensaat zu schützen. Hat bis jetzt schon 2 Jahre funktioniert. Auch Fließ hat sich bewährt. Einfach nach dem Säen und angießen auf die Saatreihe legen.

    Um Jungpflanzen zu schützen, bastle ich aus zwei Stangen und einer Schnur, eine Art Miniatur-Wäscheleine, über meine Beete. An der Leine befestige ich Zeitungspapier, welches dann fröhlich, raschelnd ungebetene Gäste vertreibt, bis sie sich daran gewöhnt haben…. -.-
    und dann kann man immer noch das Kulturschutznetz oben drüber legen. 🙂

    Grüne Grüße

    MION

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    1. Das sind gute Tipps, danke 😀

      Irgendwo habe ich auch gelesen, dass man Knoblauch in den Johannisbeerstrauch hängen soll, um ungebetene Gäste durch den Geruch zu vertreiben.. Vielleicht teste ich das mal 😀

      Ja, irgendwie kommen wir damit zurecht! Aber ich hatte es über den Winter ganz vergessen, wie es im Garten wirklich abläuft! Das war natürlich auch etwas blauäugig von mir 🙂

      Liebe Grüße!

      Gefällt 2 Personen

      1. Das kenne ich. Aber es spricht für dich, dass du nur die positiven Erlebnisse in Erinnerung behältst. Bei den meisten Menschen ist es umgekehrt, was auch wieder um der Evolution zu verdanken ist. Negatives kann dich töten, genauso gut kann dich Positives am Leben erhalten.
        Der Garten hat einem immer voll im Griff…aber ich geh lieber 10x in den Garten und ackere als zu bügeln. 😀
        Wer hat eigentlich bügeln erfunden?
        Eine gelangweilte Hausfrau?

        Das mit dem Knoblauch hört sich plausibel an, meine Katze mögen ihn auch nicht.

        Grüne Grüße

        Gefällt 2 Personen

  2. Ja, davon kann ich auch ein Lied singen. Ich war immer weit davon entfernt Selbstversorger zu sein. Mittlerweile hab ich mich auf das Gemüse konzentriert das bei mir ohne Riesenaufwand was wird, Kartoffel, Lauch, Erbsen, Bohnen,Tomaten … und schone damit meine Nerven.
    Mein Spinatbeet hat auch immer so wie bei deinen Fotos ausgesehen. Ich wünsch euch mit dem 3. Versuch nun Erfolg, frischer Spinat aus dem eigenen Garten ist ein Traum…..
    Liebe Grüße
    Arlene

    Gefällt 2 Personen

  3. Gegen Wühlmäuse helfen Knoblauchgewächse. Entweder den klassischen Knoblauch setzen, oder mit Zimmerknoblauch oder Knoblauchkraut arbeiten! Funktioniert wirklich! Eine Freundin von uns hat es getestet und letztes Jahr im Frühling Knoblauchkraut gepflanzt und die Wühlmäuse sind aus ihrem Garten verschwunden!
    Zum Schutz von zarten Pflänzchen können wir diese Variante empfehlen:
    https://schlemmerbalkon.wordpress.com/2016/02/22/warmes-haus-und-schneckenschutz/
    LG und toi toi toi für den Spinat
    AnDi

    Gefällt 2 Personen

  4. Wie wahr. Mir geht’s übrigens auch immer so, dass ich den Winter über total vergesse, wie viele Misserfolge ich im Gartenjahr eingesteckt habe… bis ich dann im Frühjahr wieder vor Schneckenfraß und Wühlmauslöchern stehe. :/
    Aber: Meine Nachbarn, die konventionell gärtnern, beklagen ebenso hohe Verluste durch Schnecken, Wühlmäuse und Vögel. (Durch Vögel habe ich bisher keine größeren Schäden beobachtet – das heißt, doch, Nachbarns Pfau hat mir immer die Kohlgewächse zerpickt und die Sauerkirschen werden stets von den Amseln geerntet, aber die Saat lassen sie in Ruh – aber wir haben ja auch zwei Katzen. An die Wühlmäuse kommen die aber leider auch nicht dran…) Dass es im Garten immer wieder zu Rückschlägen kommt, liegt also nicht nur am „Biogärtnern“, sondern wohl einfach in der Natur der Sache. Wo viel Essbares an einem Ort wächst, gibt es eben auch immer viele Interessenten…
    Ich denke, wir dürfen eben alle einfach nicht aufgeben, müssen die „Hausmittelchen“ auf ihre Wirksamkeit testen und eben auch auf mechanischen Schutz wie Kulturnetze und Schneckenkragen setzen. Gegen Vögel soll ja auch „Klapperzeug“ in den Sträuchern oder oberhalb der Beete befestigt helfen. Ich hab’s selbst noch nicht ausprobiert, da wir wie gesagt mit „normalen“ Vögeln keine echten Probleme haben, aber in den Gärten von La Roche Jagu habe ich eine praktische und dekorative Variante gesehen: Reihenweise Muscheln an Schnüren, die im Wind gegeneinander klappern. Das sieht dann sogar nach Kunst aus! Kann man auch an Stöcken aufhängen, die man dann ins Beet steckt. Auch kleine Spiegel (oder alte Werbe-CDs ;)) werden gegen Vögel empfohlen. Das hätte ich dieses Jahr bei den Sauerkirschen ausprobiert, wenn die Stadt den Baum nicht gefällt hätte… 😦
    Liebe Grüße und viel Glück mit der neuen Spinataussaat!

    Gefällt 1 Person

    1. Da bin ich aber beruhigt, dass es mir nicht als einzige so geht 🙂
      Muscheln als Klapperzeug sind eine wunderbare Idee, insbesondere, da wir eh noch eine ganze handvoll rumliegen haben! Die hatten wir aussortiert und erst geplant, sie mit im Beet zu verarbeiten, aber als Vogelschreck scheinen sie mir doch noch sinnvoller zu sein 😀

      Euer Nachbar hat Pfauen? 😀 Na, dann fiel der Kohl immerhin nicht einer schnöden Taube zum Opfer, sondern einem wunderschönen kräftigen Pfau 😀 Das hat doch was 😉

      Liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

      1. Ich glaube, es geht ALLEN so. Es geben bloß nicht alle zu!

        Ja, der hatte Pfauen. Aber der letzte ist im vergangenen Winter dann doch an Altersschwäche gestorben. Vielleicht haben meine Kohlpflanzen also künftig eine Chance… (aber traurig um den schönen Vogel ist es irgendwie trotzdem! Ach, ich bin so inkonsequent…)

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