Mit Bienen in das Frühjahr starten

Ach ja, da war ja was 😉  Über den Winter haben unsere Bienen so wenig Arbeit gemacht, dass man sie glatt vergessen konnte! Aber jetzt kommt der Frühsommer mit großen Schritten, und mit genau so großen Schritten entwickeln sich die Bienenvölker um Gisela II. und Hannelore II. 🙂

Im Frühjahr vergrößert sich das Volk im Vergleich zu den Wintermonaten erheblich! Während im Winter zwischen 5.000 – 10.000 Bienen im Stock leben, können es im Sommer bis zu 40.000 werden. An einem Tag legt die Königin in ihren besten Zeiten 2.000 Eier. Somit wächst das Volk gerade rasant an:

Erste Kontrolldurchsicht Ende März

Am 30. März nahmen wir die erste Durchsicht nach dem langen Winter vor. Beide Völker haben den Winter (dank reichlich Futtergaben im Herbst von 8kg Futtersirup pro Volk – siehe hier) wunderbar überstanden! Auch das milde Wetter und der hohe Varroabefall in Volk Hannelore hat nicht geschadet! Den Reinigungsflug, bei dem das gesamte Volk ausfliegt und buchstäblich die Gegend vollscheißt, haben wir leider verpasst. Dabei leeren alle Bienen ihre Kotblase aus, was sie den gesamten Winter über wegen der kalten Temperaturen ja nicht können. Ich hätte so gern dabei zugesehen 😀

Bei Sonnenschein fliegen beide Völker derzeit wie die Irren und bringen reichlich gelben Pollen und scheinbar auch viel Honig mit nachhause. Die Waben sind jedenfalls schon sehr gut gefüllt! Bienenvölker sind scheinbar sehr eigenwillige Organismen – jedenfalls verhalten sich unsere beiden Völker vollkommen unterschiedlich! Hannahs Brutnest befindet sich in der oberen der zwei Zargen (= Kisten), Michas hingegen unten. Ganz allmählich wird sich das Brutnest in den kommenden Wochen hoffentlich über die gesamten zwei unteren Zargen ausbreiten! Hannelore II. (Hannahs Volk) macht ein deutlich schöneres Brutnest als Gisela II., also eins ohne Lücken bei der Bestiftung! Volk Hannelore ist auch friedlicher als Volk Gisela und fühlt sich von unseren Kontrollen überhaupt nicht gestört! 

10. April – Einhängen der Drohnenrahmen

Am 10. April nahmen wir dann die zweite Durchsicht vor. Beim Öffnen der Beuten kommt  uns bereits ein warmer Honigduft entgegen 🙂  Bei Micha haben wir ein paar wenige hervorstehende Wabenzellen gefunden, was wohl die erste Drohnenbrut werden soll. Volk Gisela hat scheinbar ein Bedürfnis nach Männern 🙂 Die Männer werden von den Bienendamen „gebaut“, wenn sie gebraucht werden, indem sie einfach etwas größere Waben bauen, in welche die Königin dann ein unbefruchtetes Ei legt! Bald werden wir also die ersten Männer haben 🙂 Wie es bei vielen Imkern üblich ist, haben wir zwei komplett leere Rähmchen in unsere Beute eingehängt, in welches die Bienen dann ihre größeren Drohnenwaben bauen können.

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Drohnenwaben – von den Bienen ratz fatz selbst gebaut 🙂

Bloß nicht direkt nebeneinander, sonst bauen die Bienen schief und krumm 🙂 Diese Drohnenrahmen haben wir also Mitte April eingehängt, und im gleichen Atemzug dann das Volk mit dem ersten Honigraum erweitert. Eigentlich soll dies mit dem Beginn der Kirschblüte geschehen, aber da wir schon einmal am Volk waren, haben wir das auch direkt erledigt 🙂 Die Drohnenrahmen sind gleich mehrfach nützlich: 

  1. Die Bienen produzieren hier neuen Wachs, den wir entnehmen, einschmelzen und als Mittelwände weiterverwenden können – er ist also eine Art kleine Wachsproduktionsfabrik 🙂
  2. In Drohnenwaben sammeln sich Varroamilben! Da sie größer sind und länger geschlossen bleiben haben die Milben (die in den verdeckelten Brutzellen leben), hier bessere Voraussetzungen als auf den normalen Waben, die deutlich kleinere Zellen haben!

Wir werden es jetzt so machen, wie viele andere Imker auch und alle zwei Wochen den gesamten Drohnenrahmen entnehmen und die Wabe herausschneiden. Die Brut geht dann natürlich verloren – aber im gleichen Atemzug bewahren wir das Volk vor einer zu großen Varroapopulation! Die Brut kann optimalerweise an Hühner verfüttert werden, aber nicht an fliegende Vögel, die ja eventuell Parasiten oder Seuchen von einem Bienenstand zum nächsten transportieren könnten! Der Wachs wird anschließend weiterverwertet! Wie wir ohne Hühner die Drohnenbrut loswerden müssen wir uns dann nochmal überlegen 😀

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Die Bienen sitzen jetzt auf drei Zargen – in den unteren beiden ist das Brutnest, in der oberen nur Honig! Ein Gitter zwischen den oberen beiden Zargen verhindert, dass die Königin nach oben krabbelt – sie ist zu dick, um durch die Stäbe zu passen 🙂

Erste Schwarmkontrolle am 19. April – jede Woche Dienstag

Ab sofort müssen wir unsere Völker auch auf Schwarmstimmung kontrollieren. Das machen wir nicht, um ihnen den natürlichen Schwarmtrieb auszutreiben oder um am Ende des Jahres mehr Ertrag zu haben. Wir wollen nicht, dass unser Volk schwärmt, weil wir die entschwärmten Bienen nicht dem ziemlich sicheren Tod überlassen wollen und weil wir nicht leisten können, ständig vor Ort auf einen eventuellen Schwarm zu warten, den wir dann einfangen könnten. Irgendwann ist es vielleicht so weit – aber jetzt gerade sind wir jeden Tag ziemlich weit weg von unseren Bienen! Das will ich ihnen und unseren Nachbarn nicht zumuten, wenn es sich durch relativ leichte Kontrollen vermeiden lässt!

Bei der Schwarmkontrolle schauen wir jede Woche in unseren Völkern nach, ob sie Weiselzellen gebaut haben und die Königin dort ein Ei hineingelegt an. Das bedeutet, dass das Volk sich eine neue Königin heranziehen will! Die Weiselzellen sind deutlich größer als die normalen Zellen und auch als die Drohnenzellen. Das wichtigste Merkmal ist, dass sie nach unten geöffnet sind und nicht, wie alle anderen Zellen, nach vorne! Nach 9 Tagen ist die Weiselzelle dann verdeckelt, und an diesem Zeitpunkt schwärmt das Volk samt alter Königin aus! Nach 9 Tagen ist es also zu spät für eine Schwarmverhinderung, deshalb schauen wir jeden Woche nach. In diesem Jahr werden wir jeden Dienstag die Schwarmkontrolle vornehmen.

Die erste Schwarmkontrolle am 19. April hat direkt mehrere Weiselzellen geliefert. Volk Hannelore II. brachte ganze 4 Stück zustande, aber alle ohne Eier. Diese Zellen werden als „Spielnäpfchen“ bezeichnet, das Volk „übt“ sozusagen den Bau von Weiselzellen, ohne wirklich eine Königin heranziehen zu wollen. Sonst hätten sie ja ein Ei dort hineingelegt 🙂 Volk Gisela II. sieht schon anders aus: Deutlich mehr als 5 Weiselzellen haben wir dort gefunden. Zwei davon tatsächlich mit ziemlich dicken Larven drin! Die Weiselzellen müssen natürlich so gut wie möglich zerstört werden – und die Larven auch. Das ist wirklich keine schöne Arbeit, aber irgendwie trotzdem besser, als das Volk in freier Wildbahn an Varroabefall zu verlieren! 

Dieses Prozedere werden wir jetzt jede Woche wiederholen und hoffen, dass nicht direkt im ersten Bienenjahr ein Schwarm auf und davon zieht 😀 

 

 

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16 Gedanken zu “Mit Bienen in das Frühjahr starten

  1. Das war sehr interessant!
    Normalerweise lese ich im Netz immer nur von sich gegenseitig ankeifenden Imkern von denen jeder die Weisheit mit Löffeln gefressen hat aber wenig nützliches/interessantes.
    Ich verfolge gespannt, wie es mit euren Bienen weitergeht und hoffe, dass wir hier irgendwann mal Land in Sicht haben was Haus & Garten betrifft und uns auch Bienen holen können.
    LG Oli

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      1. Eine Imkerin hier aus dem Dorf mit der wir gelegentlich Pflanzen austauschen hat schon gesagt, dass sie uns gerne unterstützen würde. 🙂
        Hm Hm Hm, mal gucken wann es soweit ist, hier ist noch sooooviel zu tun.
        LG Oli

        Gefällt 1 Person

    1. Ooh wie schade… Aber ich kann es verstehen, das Risiko, gestochen zu werden ist ja sehr hoch! Es gibt wohl Imker, die mit voller Schutzmontur auch als Allergiker imkern, aber Spaß macht es so wahrscheinlich nicht 😦

      Aber wie ist es denn mit Hummeln oder anderen Brummern? Bist du dagegen auch allergisch? Ansonsten sind das ja genauso faszinierende Tierchen wie die Honigbienen 😀 Wir haben in diesem Jahr auch einen Hummelkasten aufgestellt, aber bisher noch keine Königin dort angetroffen…

      Liebe Grüße!

      Gefällt 2 Personen

      1. Bin mit Abstufungen allergisch gegen alles was sticht – ein Mückenstich wird schon mal ein golfballgroßer Abszess, ein Bienen- oder Wespenstich wird ein Einsatz für den Notarzthubschrauber – alles schon probiert, nicht zu empfehlen 😉

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      1. Wir hatten ehrlich gesagt schon mal kurzfristig den Gedanken, haben ihn aber wieder verworfen: da haben wir dann doch ein Platzproblem…. Wäre der Balkon aber größer, dann….

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