Der aktuelle (Bienen-)Stand

Nachdem wir in den vergangenen Wochen viel über den bisherigen Gemüsanbau geschrieben und veröffentlicht haben, so sollen doch auch unsere tausenden Helferlein nicht unerwähnt bleiben, die uns in letzter Zeit sooooooooo viel Arbeit machen 🙂

DSC_0263
20.06.: Links: das schwächere Volk von Gisela III. und rechts: das stärkere Volk von Hannelore II. 

Und dabei ist so viel passiert!

Ablegerbildung

Ähnlich wie Zimmerpflanzen kann man Bienen auch über sogenannte „Ableger“ vermehren (oh, ich glaube der Vergleich hinkt ein wenig!). Ist die Schwärmerei die natürliche Art der Vermehrung, bei der kurz vorm Schlupf der neuen Königin(innen) die alte Königin mit einem großen Teil des Volkes die alte Behausung verlässt, um sich was Neues zu suchen, so gibt es auch die Möglichkeit hier „künstlich“ einzugreifen. Hierbei wird dem Volk eine oder mehrere Waben mit Larven, verdeckelter Brut und ansitzenden Bienen entnommen und in einigen Kilometern Entfernung (damit die Bienen nicht zurück in den alten Bienenstock fliegen) aufgestellt. Nachdem die Bienen „bemerken“, dass sie ohne Königin sind, werden einige ganz junge Larven ausgewählt und entsprechend stärker gefüttert als ihre Schwestern und aus diesen dann aufgepeppelten Bienen werden dann neue Königinnen schlüpfen. Ihr Schicksal wird es nun sein, die Herrscherin über das neu entstandene Bienenvolk zu werden. So wird sie sich kurz nach ihrem Schlupf an einem schönen Sonnentag auf machen, um sich mit bis zu 30 Drohen zu paaren (die Drohnen sterben bei diesem Akt). Nach diesem Akt kehrt sie zurück und wird kurz darauf mit der Eiablage beginnen. 

Und warum bilden wir Ableger? Na, einerseits zur Vermehrung unserer Völker, da wir im kommenden Jahr einige mehr führen möchten und andererseits dient uns das sogenannte „Schröpfen“ der Völker, also die gezielte Entnahme von Brut und Bienen, zur Schwarm-Verhinderung. Dadurch, dass wir dem stark wachsenden Bienenvolk Brutbretter und Bienen entnehmen, wird die Schwarmstimmung gedämpft, was sich darin äußert, dass die Bienen weniger stark versuchen, neue Königinnen heranzuziehen. Würden wir keine Ableger nehmen, so würde das wachsende Volk immer wieder versuchen, sich zu teilen und immer wieder würde ein großer Teil des Volkes davonfliegen und wäre, falls wir es nicht bemerkten, für immer verloren. DENN: Ein Bienenschwarm, der nicht von einem Imker eingefangen wird, hat in Mitteleuropa aufgrund der hohen Durchseuchung mit der Varroa-Milbe eine kaum existente Chance zu überleben, sollte er sich, wie er es Millionen Jahre getan hat, wild irgendwo einnisten.  

Ableger 1+2

Die Ableger wurden am 17. bzw. 24. Mai gebildet und beide Brutwaben sowie die ansitzenden Bienen kamen aus dem Volk von Hannelore II. Wir hatten erst vor, noch weitere Ableger aus dem Volk Gisela III. zu nehmen, jedoch gab es hier eine lange Brutpause, weswegen ja auch die Königin ausgetauscht werden musste. Und da wir nicht ins Wachstum des Volkes weiter eingreifen wollten, ließen wir das erst einmal sein.

Beide Ableger konnten wir an einen 15 Kilometer entfernten Bienenstand eines befreundeten Imkers bringen. Nach drei Wochen konnten wir die beiden neuen Völkchen mit einer organischen Säure besprühen (dient der Varroa-Bekämpfung und hat im Gegensatz zu anderen Präparaten keine Rückstände im Wachs). Dieser Zeitraum von drei Wochen ist hier wichtig einzuhalten, da nach drei Wochen sämtliche Brut geschlüpft ist., die sich noch auf der Wabe befand. Denn Brut kann bei dieser Sprühbehandlung Schäden nehmen, was wir auf jeden Fall versuchen wollten zu verhindern.

DSC_0266
20.06.: Der hintere Ableger ist der ältere mit Flugloch in dieser Perspektive nach hinten raus, der vordere hat sein Flugloch vorne. Beide Völker haben 90% ihres Fluglochs jedoch noch mit einem Schaumstoffstreifen verschlossen, da solch kleine Volker nur Fluglöcher in Fingerbreite gegen Angreifer verteidigen könnten. 

Beide Ableger befinden sich mittlerweile wieder in unserem Garten, wobei Ableger 1 (also der eine Woche älter ist als der andere) schon eine Königin hat, die Eier legt. Im zweiten Ableger konnten wir auch schon eine neue Majestät ausmachen, jedoch noch keine Eier. Das mag daran liegen, dass in der Zeit zwischen Schlupf und dem heutigen Tag nur ein schöner Tag lag, der für den sogenannten Paarungs- oder Hochzeitsflug der neuen Königin in Betracht gekommen wäre (und das war gestern 😉 ). 

Ableger 3+4+5

Ja, es gibt noch mehr Ableger, die jedoch außerplanmäßig genommen wurden und wir auch nicht wissen, ob diese stark genug gebildet wurden, damit diese den Winter überleben. Aber keine Angst! Wir würden, falls diese Ableger nicht die 5000 Bienen-Grenze im Oktober überschritten haben sollten, diese miteinander vereinigen, um ein großes überwinterungsfähiges Volk zu bilden. Die dabei überflüssigen Königinnen würden wir zum verjüngen unserer Wirtschaftsvölker (Bilder ganz oben) nehmen oder aber an bedürftige Imker aus der Bekanntschaft abgeben. Hier wird nichts verloren gegeben!!!

DSC_0270
In drei von diesen Schlupfkäfigen erhielten wir die unbegatteten Königinnen, jeweils mit ein paar Arbeiterinnen als Gefolge dabei.

Doch wie kam es dazu, dass auch noch Ableger 3, 4 und 5 das „Licht der Welt erblickten“? Ganz einfach! Wir haben (mal wieder 😉 ) bei Pia Aumeier, einer promovierten Biologin und Bienenwissenschaftlerin von der Ruhruni Bochum, vor 8 Tagen einen Vortrag mit anschließendem praktischen Kurs gehabt, wo wir unter anderem das Bilden und Auflösen von Sammelbrutablegern üben konnten. Und da waren einfach noch ziemlich viele unbegattete Königinnen am Ende übrig, sodass diese großzügig verteilt wurden. Und so kamen diese drei Damen also in unsere Hände, sodass wir am gleichen Abend noch drei Brutbretter aus einem Wirtschaftsvolk entnahmen. Diesmal von Gisela III., da hier auch so langsam Schwarmstimmung aufkam und wir die Frühjahrs-Honigernte von diesem Volk aber auch schon für dieses Jahr für uns gestrichen haben*. Also bildeten wir drei neue Ableger, öffneten die Schlupfkäfige mit den Königinnen und verschlossen diese sofort (!) wieder mit ein wenig Mäusespeck. Dann kamen diese präparierten Schlupfkäfige zu den Brutbrettern in die drei neuen Völker. In den darauf folgenden Stunden und Tagen konnten sich die Arbeiterinnen, die dem alten Volk entnommen wurden, während sie die neuen Königin frei fressen an ihren Duft gewöhnen. Noch stehen die Ableger auf dem Bienenstand des anderen Imkers und wir werden in ein zwei Wochen mal nachgucken, ob es gelungen ist, dass auch diese Königinnen begattet wurden und sich schon in Eiablage befinden. 

(* Es heißt, dass durch das übermäßige Schröpfen der Wirtschaftsvölker der Honigertrag des Jahres pro Volk nach unten geht, da ja entsprechend weniger Bienen, die Nektar sammeln sollen, pro Volk schlüpfen.)

Ableger 6

Nachdem wir die Nachricht von Imkern aus unserer Nachbarschaft erhielten, dass sich am vorgestrigen Sonntag ein riesiger Bienenschwarm in einer Baustelle in der Nähe unseres Gartens niedergelassen hat, lag die Vermutung nahe, dass wir nicht vorsichtig genug waren und sich eines unserer Völker nun doch geteilt hat. Bei der eiligen Nachschau in unseren beiden Wirtschaftsvölkern wurde jedoch klar, dass das nicht der Fall gewesen sein kann. Beide Völker waren noch proppe voll mit Bienen und Gisela III. und Hannelore II. wurden auch gesichtet. Ergo: der Schwarm kam nicht von uns!

Frage: Doch woher dann Ableger 6? 

Antwort: Bei der eiligen Durchschau vom Volk mit Hannelore II. entdeckten wir neue Königinzellen, die schon verschlossen waren! Das heißt, dass sich das Volk bei der nächsten Gelegenheit geteilt hätte, da nun neue Königinnen schlüpfen werden! „So ein Mist!“ dachten wir uns und waren uns aber auch bewusst, welches Glück wir hatten, dass wir diesen Fehler noch bemerkt haben und das Volk sich noch nicht geteilt hat!

Und da der ganze Bienenstock einfach drohte vor lauter abertausender Bienen überzuquellen und extreme Schwarmstimmung herrschte (viele neue bestiftete Königinzellen (sog. Weiselzellen) & Baurahmen seit zwei Tagen unverändert wenig ausgebaut), nahmen wir zwei Waben mit Brut und eine Honigwabe mit ansitzenden Bienen raus und bildeten einen neuen Ableger. Wir beließen die verschlossenen Weiselzellen an den Brutwaben, sodass in wenigen Tagen schon die neue Königinnen schlüpfen können. Auch dieser Ableger kam auf den Bienenstand des befreundeten Imkers und kommt in ein paar Wochen zurück in unseren Garten. 

Fazit

Der aktuelle Bienenbestand beläuft sich auf 2 Wirtschaftsvölker und insgesamt sechs Ableger. Ob alle Ableger so in den Winter gehen werden oder ob wir diese noch vorher zu einigen wenigen stärkeren Völkern vereinigen, wird sich im Oktober zeigen. Fest steht jedoch, dass wir was die Völkeranzahl angeht nach der jetzigen Situation zu urteilen, schon mal sehr gut für die kommende Saison gerüstet sind.

Und was die Honigernte vom vergangenen Freitag betrifft, so wird sich sicherlich in den kommenden Tagen ein weiterer Bericht hier finden lassen 🙂

 

 

 

 

Advertisements

7 Gedanken zu “Der aktuelle (Bienen-)Stand

    1. Es war eine Baustelle (und keine Bushaltestelle 😉 ) im dritten Stock eines alten Hospizes, welches zur Zeit umgebaut wird. Da die uns bekannten Imker, als sie den Schwarm verfolgten, an der Rezeption der noch besetzten notärztlichen Ambulanz im gleichen Gebäude Bescheid gaben, dass dort ein Schwarm eingezogen ist, haben die ihre Nummer da gelassen.
      Ich bin mir sicher, dass die Handwerker vor Ort sich beim Öffnen der Zwischendecke dann an diese uns bekannten Imker wenden werden! So hoffe ich zumindest! Denn wie ich oben geschrieben habe, wäre dieser für uns unerreichbare Schwarm sonst verloren!

      Und ob es alles so gut läuft, werden wir im Herbst sehen, wenn die Ermittlung der Volksstärke der Ableger ansteht. Die hierbei empirisch ermittelte Grenze von 5.000 Bienen pro Ableger hoffen wir nun, durch regelmäßiges Zufüttern und Erweitern (wir geben neue, leere Waben in das junge Volk) zu überschreiten 🙂

      LG, Michael

      Gefällt 1 Person

  1. Das zu lesen ist wirklich ungemein spannend! Bienen sind schon sehr faszinierend. Wenn ich einen großen Garten hätte (wie mein Opa etwa) hätte ich sicherlich auch Bienen 🙂

    Gefällt mir

    1. Hallo Anja,

      wir haben tatsächlich im vergangenen halben Jahr so einiges an Zargen (auf-)gekauft, um möglichst gut auf die Schwarmsaison vorbereitet zu sein. Dabei haben wir u.a. auch gebrauchte Zargen in exakt unserem Beutenmaß günstig kriegen können. Diese gebrauchten Beuten haben wir natürlich mit Gasbrenner einmal gut ausgebrannt… man weiß ja nie 😉
      Grüße!

      Gefällt mir

    1. Hallihallooooo 🙂
      Sehr gerne! Wenn du tatsächlich überlegst, ob du dir Bienchen zulegst, kann ich dir nur empfehlen, deinen örtlichen Imkerverein zu kontaktieren. Wir haben beste Erfahrungen gemacht, sich einfach mal unverbindlich mit einem Imker von dort zu treffen, um in so ein Bienenvolk reinzugucken. Und normalerweise wird dir auch ziemlich schnell klar, dass die Bienen an sich lediglich im Frühjahr/Frühsommer deine Aufmerksamkeit benötigen. das restliche Jahr lässt sich an wenigen Terminen am Bienenstand festhalten…
      Wir haben es uns übrigens auch ursprünglich für 2016 vorgenommen & doch dann 2015 angefangen. Jetzt frage ich mich, warum ich nicht schon vor 10 Jahren angefangen habe!
      Es gibt im Selbstversorger-Forum (www.selbstvers.org) einen schönen Thread im Bienen-Unterforum: „Ihr hättet gerne Bienen, aber…“. Der sollte so einige Zweifel ausräumen 😉

      Liebe Grüße und vielen Dank für deinen Kommentar!

      Michael 🙂

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s