Wer das Geld hat…

„Wer das Geld hat, hat die Macht“, lese ich jeden Tag auf meinem Nachhauseweg. Es steht an die Wand gesprayt gegenüber der Volksbank, die sich vor kurzem einen neuen Büroklotz gegenüber dem Bahnhofsgebäude gegönnt hat…

Jedes Mal bringt mich dieses „Wer das Geld hat, hat die Macht“ zum Nachdenken…

Und eigentlich möchte ich jedes Mal daruntersprayen:

„Nur, so lange du das glaubst!“

Das ist vielleicht übertrieben und sieht der Realität nicht ins Auge! Klar, brauchen wir Geld, um uns das Nötigste leisten zu können. Aber das Nötigste hat doch eigentlich so gut wie jeder mit einem kleinen Einkommen abgedeckt. Das, was in diesem Satz mit Geld gemeint ist, ist etwas anderes! Eine perversere Art von Geld – eine Illusion von Sicherheit und Überlegenheit, eine Idee von Macht und Bequemlichkeit! Geld dient nicht mehr der Lebenssicherung, sondern eine skurrilen Form der Selbsterhaltung… Geld wird ausgezahlt, für irgendetwas ausgegeben, was nicht benötigt wird, und gelangt auf Umwegen und mit Verlusten für die Ärmsten der Welt wieder bei uns an… Die große Geldspirale dreht sich, und wir rennen darin herum wie die Hamster im Hamsterrad! Wir arbeiten ein Leben lang und warten darauf, dass wir es „geschafft“ haben, um dann endlich frei leben zu können! Wir opfern unsere Tage dem großen Geldverdienen, weil uns immer und überall Angst gemacht wird, dass wir ohne Geld aufhören zu existieren! Das spiegelt sich nicht nur in Wörtern wie „Existenzgrundlage“, womit natürlich Geld gemeint ist und nicht die biologische Fähigkeit, zu atmen oder zu essen! Nein, unsere Existenzgrundlage liegt hier und heute woanders! Beim Schrottkonsum, bei übertriebenen Ausgaben für Unnützes und einem enormen Verschleiß an Waren! Das ist es, was Geld im Allgemeinen für uns bedeutet… Und ab wann bedeutet Geld nun Macht?

Wir wünschen uns aus irgendeinem Grund alle mehr Geld, denn mehr Geld ist besser. Mehr Geld bedeutet scheinbar mehr Macht und Macht ist gut! Aber nur, so lange wir das glauben!

Wer das Geld hat, hat die Macht. Aber wer das Geld hat, hat doch zunächst einmal große Angst, das Geld könnte ihm genommen werden! Wer das Geld hat, fühlt sich überlegen, ohne ein glücklicheres Leben zu führen, und wer das Geld hat, träumt von Macht, ohne jemals alles und jeden kontrollieren zu können! Wer das Geld hat, hat keine Ruhe mehr aus Sorge um den Verlust seiner Werte! Wer das Geld hat, ist mit Sicherheit niemals bequem, sondern ständig alarmiert!

Was wäre nun, wenn wir umdenken würden? Wenn wir keinen Wert mehr auf die Höhe unseres Einkommens legen, sondern nur darauf, dass wir am Ende des Tages satt sind und ein Dach über dem Kopf haben? Wenn wir Wert darauf legen, den Menschen, die wir lieben, dies auch zu zeigen und auf diese Art und Weise mit ihnen zusammen zu leben? Oder darauf, offen und ehrlich zu sein, ein reines Gewissen zu haben, und authentisch zu bleiben? Was wäre, wenn es uns einfach wichtig wäre, wir selbst zu sein, ohne uns für irgendeine Arbeit verkleiden zu müssen und den ganzen Tag in eine Rolle zu schlüpfen, die nicht zu uns passt? Haben wir nicht am meisten Macht, wenn wir uns nicht verstellen müssen, sondern wir selbst sein dürfen?

Wer das Geld hat, hat die Macht? Ich glaube das nicht! Wer das Geld hat, kann vielleicht vieles kaufen, aber niemals den, dem Geld nichts bedeutet! Wer das Geld hat, kann vielleicht manipulieren und bestechen, aber er tut dies doch nur aus Angst vor Verlusten und aus Gier nach mehr. Sicherheit hat er nie! Wer das Geld hat, kann nur verlieren! Und wer mit wenig zufrieden ist, kann nur wenig verlieren! Wer wenig hat, dem kann wenig genommen werden! Mächtig ist also doch eigentlich derjenige, der mit wenig zufrieden ist! Und wer mit weniger zufrieden ist, ist mächtiger, als der, der am meisten Geld besitzt!

 

 

 

Advertisements

10 Gedanken zu “Wer das Geld hat…

  1. Hallo, das ist wirklich ein toller Beitrag, der mir aus der Seele spricht.
    Wir laufen in einem Hamsterrad, verfolgen die neuesten Sonderangebote,um noch mehr von unnützem Zeug konsumieren zu können. Zeug, das dann in unseren vier Wänden steht und oft nicht genutzt wird. In Wirklichkeit investieren wir das teuerste, das uns bleibt – nämlich die Lebenszeit – um irgend einen Schrott kaufen zu können, den wir eh nicht brauchen.
    Zugleich tragen wir zum Leid in der Welt bei, indem wir immer mehr kaufen, zu Niedrigpreisen, durch die andere Menschen in Not geraten. Außerdem bedeutet Geld ja oftmals auch Krieg, denn hinter den Kriegen steht die Gier nach mehr materiellem Besitz, nach Bodenschätzen, Land oder Einflussnahme…
    Würden wir alle dem Geld die Macht nehmen, wäre unsere Existenz nicht in Not, sondern sie wäre frei.

    Gefällt 1 Person

    1. Danke sehr! Dein letzter Satz gefällt mir sehr gut! Wir haben es selbst in der Hand, wem wir Macht zugestehen! Die Verbreitung von Leid in der Welt, nur um unseren Götzen „Geld“ aufrechtzuerhalten, ist wirklich widerlich! Ich frage mich, wie so viele Menschen überhaupt so weit gehen können? Warum hört man nicht einfach auf damit? So viele Fragen, aber man kann vermutlich nur sein eigenes Hamsterrad hinterfragen und verlassen… Bis die ganze Welt aufhört, sich auf diese Art und Weise zu drehen, braucht es wohl noch viel Zeit und viele Opfer 😦

      Gefällt 1 Person

  2. Liebe Hannah, mit deinen Zeilen hast du mir ganz aus dem Herzen geschrieben. Seit vielen Jahren versuche ich anders zu leben und ich bewundere, was du alles schaffst. Mein Garten ist dieses Jahr sehr naturnah, so wie mein Leben auch. Alles was uns wirklich im Innersten berührt zeigt uns was es heißt zu leben, zu Sein. In den Industriestaaten, in denen es den Menschen besser geht, sind wir viel weiter vom Leben und der Natur weg. Hier gibt es viel mehr Äußerlichkeiten und wenig Miteinander. Aber doch gibt es genug Menschen, die das erkannt haben und es ändern wollen. Menschen, die Rat und Tat benötigen um den neuen Alten Weg zu gehen, die den Austausch und die Ermutigung brauchen, sich der Diktatur des Geldes, des Habens zu entziehen und den Schritt ins Sein, ins Leben zu machen.
    Danke dir, dass du diese Hilfe gewährtst.
    Ganz Liebe Grüße
    Heike

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Heike, vielen Dank für deinen Kommentar! Es ist unheimlich ermutigend, deine Worte zu hören 🙂 Wir versuchen so gut es geht, eine alternative Lebensweise jenseits von Konsum, Kapitalismus und Ausbeutung und näher an Mitmenschlichkeit, Freundlichkeit und Ehrlichkeit zu leben und andere zu inspirieren! Es freut mich, dass das ein bisschen funktioniert 😀

      Liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

  3. …ein sehr schöner Beitrag!

    …wer kein oder nur wenig Geld braucht, dessen Macht ist größer…weil er unabhängiger von der Macht und der Meinung der anderen leben kann, was ihm ein freies, eigenes Denken ermöglicht, ein individuelles Leben, das ihn glücklich machen kann…denn alles wirklich Schöne, kann man nicht kaufen…

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s