Ausgebrannt

Es ist etwas still geworden auf unserem Blog in den letzten paar Wochen. Das hat verschiedene Gründe, keiner davon ist dramatisch.

Diesmal mache ich mir jetzt mal keine Gedanken über Gott und die Welt, über Probleme mit der Umwelt, mit anderen Menschen, politischen oder wirtschaftlichen Sorgen. Denn auch wenn all diese Probleme irgendwann gelöst wären – unsere größte Hürde zum Glück wären wahrscheinlich immer noch wir selbst! Selbst wenn alles sonst gut ist, macht der eigene Kopf manchmal Dinge unnötig kaputt!

Unsere Köpfe machen gerade nichts kaputt, keine Angst 🙂 Aber wir sind beide ganz schön ausgebrannt vom vergangenen Jahr. Naja, eigentlich dauert das Jahr ja noch an, aber ich habe schon relativ damit abgeschlossen! Es ist einfach nicht alles Sonnenschein und Blümchen im Gartenjahr! Es ist in erster Linie viel Arbeit und Ackerei, und in diesem Jahr war vieles auch wirklich deprimierend! Was im letzten Jahr schon nicht funktioniert hat, funktioniert schon wieder nicht: die Zwiebeln bleiben mickrig, die Gurken ebenfalls, Blumenkohl wächst erst gar nicht, und sämtliche Brokkolipflanzen sind sofort in Blüte gegangen! Auch der Feldsalat macht keine Anstalten zu wachsen und der Rosenkohl hat sich, seitdem er ins Beet gekommen ist, nicht mehr verändert – keine Röschen in Sicht 😦 Den Mais haben wir teils zu spät verarbeitet, sodass ein Großteil nur noch nach Stärke schmeckt, und beim ersten Versuch mit Popcorn-Mais ist kein einziges Korn aufgepoppt! Hagel, Regen und Feuchtigkeit haben die Kartoffelernte zerstört, alle Tomatendächer zerfetzt und uns enorm viel Arbeit gemacht!

Und auch die Dinge, die wirklich gut laufen, machen nicht mehr wirklich Freude. Die Bohnen, die wir immer noch kiloweise ernten, hängen mir zum Halse raus, genau wie die vielen Kürbisse und Zucchini! So schön die Idee von der Selbstversorgung ist, aber wenn man die eigene Ernte nicht mehr sehen kann – was dann? Daneben macht der Bulli so viel Arbeit, und die Bienen habe ich noch gar nicht erwähnt! Wir sind beide Vollzeit-Studenten, ich stehe kurz vor meiner letzten Klausur und der anschließenden Abschlussarbeit, und auch Micha bereitet sich gerade auf seine Zwischenprüfungen vor!

Es ist nicht leicht, so zu leben, wie wir es uns erträumen! Und trotzdem träumen wir weiter davon! Das Problem ist, dass der Garten wenig verzeiht! Wenn wir eine Woche Pause brauchen, ist es in der nächsten Woche für die Aussaat von Spinat schon zu spät! Aber manchmal schafft man es einfach trotzdem nicht – manchmal braucht man vielleicht einfach die Pause, die man sich eigentlich nicht gönnen darf! Ich brauche zur Zeit dringend ein bisschen Pause, um meinen Kopf zu ordnen von dem ganzen Garten-Bienen-Bulli-Uni-Stress! Wir lernen in Sachen Selbstversorgung ja immer noch dazu – vielleicht fehlt uns noch die Routine, oder die Konstanz, ich weiß es nicht! Aber es ist zur Zeit wahnsinnig anstrengend, den Überblick zu behalten und alles richtig zu machen. Von vielen Pflanzen im Garten weiß ich selber schon gar nichts mehr, weil ich den Überblick im Garten verliere! Ich weiß, dass wir ein Beet mit Mangold und Pflücksalat haben, aber wie es dort aussieht? Weiß ich nicht, weil ich zu beschäftigt mit der Bohnenernte bin, und mit dem Unkraut im Tomatenbeet und der nächsten Feldsalataussaat… da bleibt nur wenig Zeit für anderes! Wenn die Prüfungen vorbei sind, Anfang Oktober, muss ich erstmal Michael neu kennenlernen 😀 Und danach werden wir gemeinsam wieder im Garten durchstarten, Klarschiff machen und alles, was noch getan werden kann, tun, um im nächsten Jahr ganz frisch in eine neues Gartenjahr starten zu können 🙂

Dann wird es auch hier auf dem Blog wieder spannender, wenn wir von der aktuellen Arbeit berichten. Aber dieses Gefühl der Überanstrengung gehört mit Sicherheit auch dazu und ist etwas, über dass jeder Bescheid wissen sollte, der sich auf ein ähnliches Experiment wie wir einlassen möchte. Es wird anstrengend werden und auch anstrengend bleiben! Es ist nicht romantisch und auch nicht immer idyllisch! Es macht einen zwischenzeitlich ganz schön kaputt… Aber wir schaffen das und sind ganz bald wieder fit und erholt zurück 🙂 Versprochen 🙂

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16 Gedanken zu “Ausgebrannt

  1. Kopf hoch!! Ein Garten ist wahnsinnig viel Arbeit und sehr sensibel….Aufwand/Hoffnungen/Ertrag haben leider meist keine Relation!Und ich musste lachen, weil du sagst, die Bohnen, Kürbisse und Zucchini wachsen dir zum Hals hinaus. Aus dem Grund konnte ich ca. 20 Jahre lang keinen Garten sehen 😆. Es ist nur so, WENN Kürbisse und Zucchini ordentlich angreifen, sind sie eine Epidemie!😎 Haben wir heuer auch, und wir wissen nicht, wohin damit. Tomaten und Paprika waren nicht wirklich etwas heuer, total unrenrabel. Mangold und Chili sind wiederum top dieses Jahr. Nachdem ihr Vollzeitstudenten seid, alles Gute und konzentriert uch auf euer Studium, Garten ist toll, aber nehmt den etwas lockerer, der wird schon werden!

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  2. Liebe Hanna, ich kann gut nachvollziehen, was du schreibst! … bei mir sind bspw. in diesem Jahr die Tomatensamen viiiel zu spät in die Erde gekommen und die Pflänzchen waren Mitte/Ende Mai noch sehr sehr klein. Und jetzt tragen sie ganz wunderbar, wo mir jeder sagte, dass das wohl nichts mehr wird – ein Garten verzeiht auch. Also nimm dir auch deine Pausen, auch, wenn sich das natürlich viel leicher sagt als es ist… alles Gute für die nächste Zeit!
    Anne

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    1. Liebe Anne, vielen Dank für deinen Kommentar (zwar spät, aber besser als nie 🙂 ). Jetzt macht der Garten ohnehin erst einmal Winterpause, und wir mit ihm! 😀 Da gibt es so viel zu überdenken und neu zu organisieren! Und auch die Pausen müssen wir uns besser nehmen, da hast du sehr recht!
      Liebe Grüße!

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  3. Ach je, ja, über all‘ das sprach ich gerade mit meiner wenig schreibenden, sich auf hohem Niveau selbstversorgenden Co-Autorin. Vielleicht nehmt ihr ein wenig den Druck raus, wenn euch die Freude an diesem Leben verloren geht, ist es mehr als schade. Ihr müsst nicht alles machen und ihr müsst schon gar nicht alles immer richtig und gut machen. Wer kann das? Schön aber, dass ihr euch sicher seid, dabei bleiben zu wollen. Freude herrscht.
    Diese stressige Zeit in eurem Leben ist schon bald vorbei, dann kommt eine neue spannende und vielleicht auch stressige Zeit. Also … meiner Vermutung nach wäre es langfristig wichtig wieder mehr Freude und weniger Druck an/durch diesem/s Leben zu haben.

    Herzliche Grüße und drückende Daumen von Oli (die noch nie in ihrer SV-Karriere alles, immer richtig und zeitnah gemacht hat – irgendwas funktioniert/wächst immer, die Pflanzen machen zu einem guten Teil eh was sie wollen und viele meiner Gartenbekannten staunen immer wieder über das überbordende Wachstum)

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    1. Liebe Oli, vielen Dank (wenn auch sehr spät) für deinen lieben Kommentar! Wir werden im nächsten Jahr viel streichen von den großen Plänen, die wir im Garten hatten. Mit ganz viel können wir auch später erst anfangen – und man muss ja nicht sofort mit der Öl- und Käseproduktion durchstarten, auch wenn das alles schon sehr spannend wäre 😀 Jetzt bleiben wir also erstmal bei dem, was wir schon kennen 🙂 Und bis dahin machen wir sowieso erstmal Winterpause, mit ein paar Grünkohl- und Endivienpflanzen, die uns nun wirklich nicht allzu sehr stressen 😀

      Es ist schön, so aufmunternde Worte wie deine zu hören! Und wir bleiben auf jeden Fall dabei 😉 Etwas entspannter und vielleicht auch etwas chaotischer, aber dabei bleiben wir 😀

      Liebe Grüße!

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  4. Kopf hoch! Ich finde es beeindruckend, was Ihr alles schafft. Ich finde, da könnt Ihr unheimlich stolz auf Euch sein!!
    Mir haben schon 9kg Kürbis von 1/2 Kürbissen gereicht, da es insgesamt sechs Riesentöpfe Suppe waren und aushöhlen, schnippeln und kochen in der letzten Woche mindestens einen ganzen Tag in Anspruch genommen haben (dazu Birnenmarmelade, Tomatenverarbeitung, Unkraut und das normale Leben)… Und wir sind vom SV weit entfernt.
    Also, blickt auf das Positive, das Erreichte und freut Euch daran. Die Lust kommt schon wieder…
    Liebe Grüße

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    1. Vielen Dank für deinen lieben Kommentar (wenn auch etwas spät!). Wir haben die kleine Krise überwunden, bzw. den Garten einfach mal Garten sein lassen 🙂 Wenn nunmal ein paar Himbeeren am Strauch verderben, dann reichen uns die 20kg die wir bestimmt schon eingefroren haben, auch aus… Das tut zwar immer etwas in der Seele weh, aber letztendlich tut es doch gut 🙂 Ich freue mich jedenfalls auf eine kalte und leere Winterpause und verfolge weiter gespannt deinen Blog 🙂

      Liebe Grüße!

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  5. Das was du beschreibst, kenne ich zu genüge. Meine Erkenntnis nach langen Gartenjahren ist: „Wenn ich Selbstversorger sein müsste, würde ich gnadenlos verhungern“. Ich bin von dem Anspruch weg, dass ich es alleine schaffen könnte. Sollte mal eine Zeit kommen in der wir gezwungen sind uns eigenständig zu versorgen, dann bin ich der Überzeugung, dass es nur geht indem wir mit anderen tauschen. Der eine kann dies und der andere kann das.
    Also lass dir den Garten und deine Freude am Selbstversorgen nicht vermiesen, sondern freue dich an dem was du schaffst! Auch wenn du die Bohnen nicht mehr sehen kannst 😉 LG Arlene

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    1. Liebe Arlene,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Kommt zwar etwas spät, aber besser als nie 😉 Die aufmunternden Worte haben uns sehr gut getan!
      Und deine Erkenntnis haben wir auch regelmäßig 😀 Es ist erschreckend, wie aufgeschmissen wir tatsächlich wären, wenn wir von unserer Selbstversorgung abhängig wären! Du hast vermutlich recht, damit, dass man es nicht alleine schaffen „muss“!! Dieser Gedanke tut gut 🙂 Und so langsam kann ich sogar die Bohnen wieder sehen 😉 Im Winter freue ich mich bestimmt sehr über die vielen Kilo in unserer Kühltruhe 😀 Und spätestens dann bin ich mit dem Garten wieder vollkommen im Reinen 😀

      Liebe Grüße!

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  6. Liebe Hanna,
    man darf sich selbst niemals in einem Projekt verlieren! Von daher ist es gut und wichtig manchmal die Notbremse zu ziehen, einen Schritt zur Seite zu gehen, sich alles anzuschauen, neu zu sortieren und dann wieder durchzustarten. Der Gedanke mit der Selbstversorgung ist toll, aber er muss nicht von heute auf morgen zu 100% umgesetzt werden, denn das ist ein echt großes Projekt! Eins nach dem anderen! Erst mal raus finden, welche Pflanzen sich in dem Boden Eures Gartens wohl fühlen, denn nicht jeder Garten ist für jede Pflanze gemacht. Bei uns auf dem Balkon ist zum Beispiel Thymian ein solcher Kandidat. Egal wo wir ihn hinpflanzen, er fühlt sich nirgends so wirklich wohl….
    Geht einen Schritt nach dem anderen, so verliert ihr den Spaß nicht aus den Augen.
    Lasst es Euch gut gehen und toi toi toi für die Arbeitend Prüfungen! 😊
    Liebe Grüße
    AnDi

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    1. Liebe AnDi,
      vielen Dank für die lieben, wohltuenden Worte 🙂 Einen Schritt zur Seite gehen, einmal alles betrachten und neu zu sortieren, war ein guter Rat! Das haben wir gemacht und fühlen uns schon viel viel besser 🙂 Wir werden wohl einfach akzeptieren müssen, dass 100% Selbstversorgung nicht aus dem Boden zu stampfen sind, sondern ein langer Weg zu einem wahrscheinlich unerreichbaren Ziel 😀

      Wie schade um den Thymian bei euch! Bei uns wächst er wunderbar und ich möchte ihn nicht missen! 🙂 Wenn er weiter so wuchert, können wir schon den ersten Handel aufmachen und euch mit Kiloweise getrocknetem Thymian versorgen 😉

      Liebe Grüße!

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  7. Die Lust kommt ganz sicher wieder! 🙂
    Ich habe mich schon eine ganze Weile gefragt, wie ihr das alles so schafft. Ich bekomme das nicht hin. Wenn ich mal glaube, fast auf dem Laufenden zu sein, dann … gibt es lange Regenperioden, viel in der Praxis zu tun oder eine Hunde OP. Und ich fange quasi wieder von vorne an mit dem Kampf gegen das Unkraut, die Schnecken, mit dem auspflanzen, säen, Beete herrichten … Aber ohne kann und will ich nicht. Ich habe auch gelernt, dass man zu viel geerntetest kompostieren kann :-), mit schlechtem Gewissen, aber es geht. Ich ernte nur so viel, oder ein bißchen mehr als ich essen kann und will. Denn es später mit noch mehr Arbeitsinvestition weg zu werfen macht gar keinen Sinn. Der Winter ist gnädig und deckt alles zu und erst im Frühjahr muss man dann wieder schnell sein und darf ganz von neuem beginnen.
    Lasst euch alles schmecken, worauf ihr Lust habt, findet eure Freude wieder und ab Lichtmess geht dann das neue Gartenjahr los.
    ganz liebe Grüße
    Heike

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    1. Liebe Heike, einen späten aber lieben Dank für deinen wohltuenden Worte 🙂 Manchmal frage ich mich auch, wie wir das hinbekommen und komme eigentlich immer zu dem Schluss, dass das nicht mehr gesund sein kann 😀 Trotzdem, wer einmal einen Garten hatte, kann wahrscheinlich nie wieder ohne! Ich möchte ihn jedenfalls nie wieder hergeben, obwohl er uns oft so sehr schafft! Das mit dem Kompostieren von Geerntetem müssen wir uns dringend zu Herzen nehmen! Bisher möchte ich noch jede Reife Himbeere vom Strauch sofort ernten, bevor sie verdirbt! Das bringt natürlich sehr viel Arbeit mit sich! (Und unnütze Arbeit, angesichts der Tatsache, dass die Kühltruhe schon voll ist mit kiloweise tiefgefrorenen Himbeeren!) 😀
      Auf die Winterpause freue ich mich jedenfalls schon sehr! Dann können wir in Ruhe alles Revue passieren lassen und uns ein ruhigeres, entspannteres Konzept für das nächste Jahr überlegen 🙂 Ich bin der Natur sehr dankbar für diesen natürlichen „Neustart“ 🙂

      Liebe Grüße!

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  8. Ich kann euch beide nur zu gut verstehen. Auch unsere Garten hat dieses Jahr deutlich unter meiner Abschlussarbeit gelitten. Hoffetnlich könnt ihr euren mutigen Entschied den Garten einmal Garten sein zu lassen „durchhalten“, etwas Abstand gewinnen, euch um euch selbst kümmern – ohne mit schlechtem Gewissen an den Garten zu denken.
    Von Herzen alles Gute für die kommende Zeit!
    Veronika

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    1. Liebe Veronika, vielen lieben Dank für deine Worte! Bist du mittlerweile umgezogen? Wir haben tatsächlich den Garten eine Zeit lang Garten sein lassen, und siehe da: er hat uns nicht dafür bestraft 🙂 Ein paar Himbeeren sind am Strauch vergammelt, aber angesichts der kiloweise tiefgefrorenen Himbeeren in unserer Truhe ist das nur richtig so! Verhungern werden wir deshalb nicht, diese Privileg haben wir zum Glück… das müssen wir uns immer wieder sagen, bevor wir uns kaputt arbeiten…
      Liebe Grüße!

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