Der Hut

Gefühlt kann es einen so großen Hut gar nicht geben, wie ich ihn bräuchte XD Vielleicht bräuchte ich stattdessen mehrere Hüte? Oder vielleicht muss ich einfach einsehen, dass es gar nicht so leicht ist, alles unter einen Hut zu kriegen? Es steht so vieles an in meinem (oder unserem) Leben, dass ich das Gefühl habe… naja… das alles einfach nicht unter einen Hut zu kriegen XD Ich will überhaupt nicht jammern… Denn alles, was ich tue, mag ich wahnsinnig gern. Der Garten, die Bienen, der Bulli, der Mann natürlich, und auch mein Studium. Und bald dieses Baby – welches sich jetzt schon so intensiv ankündigt und manchmal meine ganze Aufmerksamkeit fordert, wenn es wieder wie verrückt anfängt zu tanzen oder zu boxen XD Dann ist jegliche Konzentration dahin und ich könnte den ganzen Tag begeistert auf meinen Bauch starren und überlegen, was das kleine, freche Würmchen sich wohl dabei gerade denken mag XD 

Baustelle Nummer 1 ist in diesem Jahr also definitiv die kleine Familie Eden! Erstmal die Geburt im April, die ich relativ hilflos auf mich zukommen lassen muss, was ich auch tue! Ich frage mich kaum, ob ich Angst habe oder Vorfreude empfinde… Eine andere Option gibt es für mich eh nicht. Wozu also den Kopf zerbrechen? Wie es wird, und wann und was genau, kann ich weder planen noch entscheiden. Irgendwie auch ein beruhigender Gedanke in meinem sonst so strukturierten und organisierten Leben 😀 Auch was danach wird, können wir uns wohl kaum ausmalen. Ich hoffe, dass vieles genauso weiterlaufen kann wie vorher, denn das Leben, welches wir in den letzten zwei Jahren geführt haben, möchte ich auf keinen Fall missen! Vor allem die Arbeit im Garten, die teilweise Selbstversorgung und all die vielen Gedanken, die uns dabei schon gekommen sind und uns verändert und weitergebracht haben, gehören mittlerweile so sehr zu mir, uns und repräsentieren genau die Werte, die uns wichtig sind! Ich hoffe, dass das kleine Würmchen sich in dieser Welt wohl fühlen wird!

Baustelle Nummer 2 ist der Garten mit allem, was dazu gehört! Ein Glück, dass wir bereits zwei ganz unterschiedliche Jahre hinter uns gebracht haben – und ein Glück, dass wir in diesem Jahr keine großen Experimente planen, sondern vielmehr auf gut funktionierendes, nützliches Selbstversorger-Gemüse setzen 🙂 Wir werden einfach versuchen, die Erfahrungen der letzten zwei Jahre in 2017 ins Gartenjahr einfließen zu lassen, und insbesondere Fehler zu korrigieren! Ich freu mich schon 🙂

Baustelle Nummer 3, die Bienen! Sie kommen zur Zeit viel zu kurz, was sich wohl auch nicht ändern wird, wenn das kleine Würmchen unsere Aufmerksamkeit fordert! Ich hoffe trotzdem, dass wir in unserem zweiten Bienenjahr routiniert genug sind, um alles unter Kontrolle zu behalten. 

Baustelle Nummer 4, der Bulli! Achja, da war ja was… Lange nicht fertig, weder von innen noch von außen. Aber gut, die Prioritäten liegen derzeit einfach woanders, und das ist auch in Ordnung so. Der Bulli schwärmt uns schließlich nicht auf und davon XD Gerade steht er in einer Scheune im Trockenen, was gerade sowieso das beste für ihn ist. Vielleicht schaffen wir es an ein paar warmen Sommertagen wieder, etwas daran zu basteln, mal sehen 🙂

Baustelle Nummer 5 – wir heiraten ja noch XD Huch, manchmal vergesse ich das ganz. Ende Mai ist unsere kirchliche Hochzeit, mit einer mini-kleinen Maus dabei! Ob das wohl gut geht? Ich habe keine Ahnung, aber auch hier heißt es: abwarten und Tee trinken XD Naja, nicht ganz, aber so vieles ist diesbezüglich nicht planbar! Wir haben wundervolle Familien, wunderbare Freunde und feiern nur mit unseren Allerliebsten! Ich hoffe auf ein entspanntes, unverkrampftes Fest, bei dem sich einfach alle wohlfühlen (auch wenn in der Messe plötzlich ein Baby anfängt Rabatz zu machen XD ). Die Planung schreitet unterdessen langsam voran, wir versuchen, möglichst viele Aufgaben abzugeben und andererseits einfach nicht zu übertreiben mit der Organisation! Es gibt einen Pfarrer, eine Kirche, ein Restaurant, und Braut und Bräutigam 😀 Was will man mehr 😀 

Baustelle Nummer 6 – die Uni. Ohje, das ist ja bezeichnend, dass ich zu dieser Baustelle erst ganz zum Schluss komme. Ich werde hoffentlich ganz bald, meine Bachelorarbeit einreichen und muss dann darüber nachdenken, wie es weitergeht. Arbeit? Masterstudium? Mutter? Was erwartet die Welt, was erwarte ich von mir? Womit bin ich zufrieden? Wie um alles in der Welt soll ich die ersten 5 Baustellen unter einen Hut kriegen und daneben noch Arbeitnehmer sein? Wie ist das alles möglich? Oder ist es schlicht nicht möglich, alles zu schaffen – und worauf soll ich dann verzichten? Ich krieg ein wenig Angst, wenn ich in unsere Zukunft schaue. Jetzt gerade, als Studenten, sind wir noch so frei und können uns nebenbei um Garten und Bienen kümmern. Aber irgendwann muss doch dieser Punkt kommen, auf den man als Kind schon getrimmt wird: Erwachsen sein, einen Beruf haben, eigenes Geld verdienen, ein Haus kaufen! Diesen Punkt sehe ich in meinem Leben nicht wirklich kommen, was ich eigentlich gar nicht schade finde. Was wird uns da nur für eine Lebensregel eingetrichtert? Macht das überhaupt Sinn? Nichtsdestotrotz, wenn es irgendwann auch bei uns so „vernünftig“ kommen sollte… schaffen wir es dann, unseren jetzigen Lebensstil beizubehalten? Von wenig zu leben, auch wenn wir genug verdienen, um zu shoppen ohne Ende? Bescheiden zu bleiben, auch wenn wir das Geld zum Fenster rauswerfen könnten? Buddeln wir weiter in der Erde, wenn wir am nächsten Tag ein wichtiges Meeting haben? Wenn ich jetzt wählen könnte, würde ich immer den Dreck unter den Fingernägeln wählen, obwohl mir die Vernunft natürlich etwas ganz anderes sagt! Ich habe Angst, dass die Vernunft irgendwann überwiegt und wir dieses Leben aus den Augen verlieren… Damit wären wir bei:

Baustelle Nummer 7 – Unsere Ideale! Wir müssen uns regelmäßig erinnern, was wir wofür und warum tun. Buddeln wir wirklich einfach nur gerne in der Erde? Bestimmt auch. Wir haben aber auch einfach wenig Geld und versuchen, mit diesem wenigen Geld klarzukommen. So ist unser Garten nicht einfach nur gerade „hip“, sondern hilft uns, günstig an bestes Bio-Essen zu kommen, welches wir uns sonst vielleicht nicht gönnen würden! Der Garten ist unser Ausgleich zum verkopften Studium und zum Schreibtisch, an dem wir sonst bestimmt irgendwann festkleben würden. XD Das wichtigste aber: wir halten dieses Leben für richtig! Was ich essen will, muss ich anbauen können, muss ich eventuell töten können und mich darum kümmern können! Was wir nicht schaffen, zu kultivieren, steht nicht auf unserem Speiseplan. Ebenso versuchen wir nur, zu essen, was auch tatsächlich gerade wachsen kann. Eine Tomate im Winter habe ich so wenig jemals angebaut, wie Spinat im Hochsommer! Es kann zu  jeder Jahreszeit genug zu essen geben, aber alles hat nunmal seine eigene Saison! Und das beste: man kann damit vollkommen klarkommen 🙂 Es ist nicht schlimm, von November bis Juni keine Tomaten zu essen! XD Ausnahmen gibt es natürlich bei Mehl, Öl, Zucker (zum Einmachen) und Milchprodukten. Bis vor zwei Jahren wusste ich nicht, wie Kohlrabi wachsen, wie man Bohnen konserviert oder wie man Erbsen erntet. Erst in diesem Jahr habe ich Schwarzwurzeln als mein neues Lieblingsgemüse auserkoren, im letzten Jahr haben wir gelernt, dass man aus Möhrengrün leckeres Pesto machen kann und was überhaupt Mangold ist. Noch letzte Woche habe ich zum ersten Mal ein Rezept mit Topinambur ausprobiert. Und ich erschrecke mich immer noch über mein Unwissen, über meine Leichtgläubigkeit gegenüber den Supermarktangeboten, die uns soooo vieles vorenthalten, was die Welt zu bieten hat! Von dem Kilo Topinambur, welches wir so nebenbei in der letzten Woche aus der Erde geholt haben, haben wir schon zwei, drei Mal richtig gut gegessen! Ich habe das Gefühl, dass ich niemals alles kennen werde und dass ich in den ersten 25 Jahren meines Lebens schon so viel verpasst habe! Jetzt ist es zwar mit viel Arbeit verbunden, aber auch mit viel Bewusstsein für die eigene Position und Rolle in der Welt. Mit Respekt vor dem, was die Natur bieten kann und auch bereitwillig anbietet! Und mit Dankbarkeit für vieles, was die meisten Menschen für vollkommen selbstverständlich halten. Dieses Leben entspricht so sehr meinen Idealen, dass ich es auf keinen Fall verlieren möchte. Deshalb ist auch das eine unserer Baustellen: uns immer wieder daran zu erinnern, warum wir das alles tun, und warum unser Hut so groß sein muss 🙂

Auf ein aufregendes 2017 😀

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5 Gedanken zu “Der Hut

    1. Wow, was für ein super Projekt!! Vielen Dank dafür von mir als Erst-Mutter, auch wenn es jetzt für mich etwas spät kommt 😀 Aber gerade in den ersten Wochen habe ich so oft gedacht, was du auch beschreibst: wir lernen in der Schule und von klein auf allen möglichen Krams! Aber wie es ist, plötzlich schwanger zu sein, ein Lebewesen im Bauch zu haben! Auf so etwas wichtiges werden wir einfach nicht vorbereitet… Das hat mich erstmal ziemlich fertig gemacht und ziemlich überrascht!
      Deshalb, Daumen hoch für dein Projekt!!! Wenn ich dann auch Mama bin werd ich mich bestimmt bei dir melden 😉

      Liebe Grüße!

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  1. Liebe Hannah,

    schön von deinen/ euren Baustellen zu lesen. Zumindest die Hälfte davon kommt mir mehr als bekannt vor. Auch ich bräuchte oft (immer?) einen größeren Hut – oder kleineren (Dick)kopf!?
    – Deine Einstellung zur Hochzeitsplanung gefällt mit besonders gut – das sollte ich mir wohl immer vor Augen führen für unsere eigene Planungen 😉

    …“ schaffen wir es dann, unseren jetzigen Lebensstil beizubehalten? Von wenig zu leben, auch wenn wir genug verdienen, um zu shoppen ohne Ende? …Von wenig zu leben, auch wenn wir genug verdienen, um zu shoppen ohne Ende? „ – Ach es tut sehr gut zu wissen, dass nicht nur mich diese Fragen umtreiben. Gestern hatte ich mein Probezeit Gespräch mit meinem Chef- die ersten 6 Monate Arbeitsleben sind bald um – noch immer sind die Fragen nicht ganz beantwortet. Aber ich bin aktuell sehr zufrieden – bei mir überwiegen aktuell die Vorteile des Arbeitslebens – also halb so „schlimm“ wie vorher gedacht!
    Bei mir zumindest sind die Pläne für Haus, Garten, Bienen, Kinder … und all die eigenen Ideale zumindest realistischer geworden.

    Euch von Herzen ein tolles 2017 und neben all den Überraschungen und Herausforderungen die eben zum Leben dazu gehören ganz viel Erfolg auf den verschiedenen Baustellen!
    Lg,
    Veronika

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  2. Liebe Hannah,

    alles wird sich finden und Du machst das schon! Schritt für Schritt, Baustelle für Baustelle, Stück für Stück. Man muss manchmal einfach zulassen, dass das Leben seinen eigenen Weg geht… 😉

    Sei lieb gegrüßt
    AnDi

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