Refugium

Wir haben es im letzten Jahr schon angekündigt und mittlerweile ist es nicht mehr zu leugnen:

Wir brauchen eine neue Wohnung! 

Manche von euch werden sich wundern – wir sind doch vor nicht einmal einem Jahr erst umgezogen, und zwar zu unserem Garten! Ein Traum für uns beide, direkt auf unsere Bohnen und Zucchini blicken zu können und für eine Handvoll Dill nur kurz die Treppe runtergehen zu müssen! Es IST auch ein Traum – aber eben ein Traum für zwei! 

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Blick aus unserem Wohnzimmerfenster auf unser Gartenstück! Ein Traum, wirklich!! Juli 2016

 

Wer gut aufgepasst hat, hat aber auch mitbekommen, dass wir eben nicht mehr zu zweit gärtnern, sondern neuerdings einen kleinen blinden Passagier an Bord haben 🙂 Und zu dritt ist es auf gut 50m² Wohnraum schon jetzt sehr eng, und das Würmchen fängt ja erst noch an zu krabbeln 😀 Das und die bessere soziale Vernetzung sind der Grund dafür, dass wir unsere Wohnung aufgeben und in eine andere Stadt ziehen – ca. 40 Minuten Zugfahrt, 30 Minuten Autofahrt… Vom Garten eine Ewigkeit getrennt! 

Es ist bereits alles in trockenen Tüchern, die Wohnung gekündigt, der neue Mietvertrag unterschrieben – neue Nachmieter gefunden…

Und die haben natürlich ein Vorrecht auf unser Gartenstück…

Obwohl wir zuerst keine Mieter des Hauses waren, durften wir den Garten beackern, weil sich niemand sonst fand, der sich darum kümmert. Das wir dann in das dazugehörige Haus zogen, war ein glücklicher Zufall. Unser Kind ist auch ein glücklicher Zufall – aber dieser könnte dazu führen, dass wir den Garten verlieren. Wenn die neuen Mieter den Garten wollen, bekommen sie ihn…

So sehr ich mich ansonsten über jeden Menschen freue, der sich für Gartenarbeit und insbesondere Gemüse interessiert, so sehr wünsche ich mir jetzt, dass diese beiden das nicht tun!!!

Nach der Besichtigung letzte Woche ist es mir eiskalt und gleichzeitig siedend heiß hochgekommen, was es bedeuten würde, den Garten zu verlieren! So viele Erinnerungen, so viele Erfolge und Rückschläge,  so viele Erfahrungen die wir gemacht haben. Aber wir würden nicht nur die Möglichkeit verlieren, unser eigenes Gemüse anzubauen, Kräuter zu ernten und lange Tage draußen zu verbringen. Nein – viel schlimmer wäre es, dass wir mittlerweile einen großen Teil unserer Identität verlieren würden! Die Kritik an sinnlosem Konsum durch Handeln (und nicht nur Quatschen), das Vorleben einer anderen (sehr schönen!) Lebenswelt und das Besinnen auf wirklich wichtige Werte – das alles gehört mittlerweile so sehr zu uns und ist uns unglaublich wichtig! Das Kopf-Abschalten von dem enormen Tempo unserer Welt und dem Informationsüberfluss, der einen sonst überallhin verfolgt, die Flucht vor dem Lärm der Zivilisation und ihren absurden Auswüchsen… der Garten ist für uns mehr als ein Garten. 

Er ist unser Refugium! 

Dass dieses Refugium uns zu einem großen Teil ernährt, ist umso schöner 🙂

Nach vielen Tränen und einem langen Telefonat mit unserem Gartenvermieter steht jetzt aber fest… wir werden den Garten mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit behalten können! Falls die Nachmieter Interesse zeigen, sollen sie sich erstmal an einem kleinen Teil der Fläche versuchen! 

Insofern ist also erst einmal alles gut – wir werden ab September zum Garten pendeln müssen, nicht mehr zur Uni. Aber pendeln sind wir gewohnt. Alles ist gut! 

Manchmal zeigt einem ein wahrscheinlich erscheinender Verlust doch erschreckend eindringlich, wie wichtig einem etwas werden kann, und seien es nur 100m² Land 🙂 

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9 Gedanken zu “Refugium

  1. Hui! Das war wohl knapp!
    Wir freuen uns, dass ihr Euer kleines Reich behalten könnt!!!
    Werdet Ihr in der neuen Stadt nach einem neuen Garten suchen um irgendwann nicht mehr pendeln zu müssen, oder wollt Ihr einfach dieses Stück Land auf Dauer behalten?

    LG
    AnDi

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    1. Ja, knapp war es wirklich – aber eigentlich auch ganz gut, noch einmal daran erinnert zu werden, was einem wichtig ist 🙂

      In der neuen Stadt haben wir sogar ein kleines Gartenstück, was bisher noch aus Teich und Rosen besteht… Auch ganz hübsch, aber eigentlich nicht unsere Art Garten, und mit Kind auch etwas kritisch! Mal sehen, was wir daraus machen können und dürfen! Wir werden auf jeden Fall die Augen offen halten nach einem ähnlich guten und großen Stück wie jetzt – aber bis dahin behalten wir unser Fleckchen Erde 🙂

      Liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

      1. Wir drücken die Daumen, dass Ihr das neue Gartenstück in Euren Garten verwandeln dürft! Und wenn nicht; vielleicht gibt es in der neuen Stadt eine Chance auf einen Schrebergarten oder einen Ackeranteil. Das könnten wir uns für Euch auch sehr gut vorstellen!
        Und bis dahin; hütet Euren kleinen Garten einfach weiterhin mit so viel Liebe und Hingabe.
        Liebe Grüße
        AnDi

        Gefällt 1 Person

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